Die Wheel-Strategie: Prämien im Kreislauf vereinnahmen

Sie verstehen den Wechsel zwischen Puts und Calls. Prämien gleichen starke Kursverluste der übernommenen Aktien nicht zwangsläufig aus.

Kurz & knapp

Sie verstehen den Wechsel zwischen Puts und Calls. Prämien gleichen starke Kursverluste der übernommenen Aktien nicht zwangsläufig aus.

Sie verstehen den Wechsel zwischen Puts und Calls. Prämien gleichen starke Kursverluste der übernommenen Aktien nicht zwangsläufig aus.

Risikohinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Optionen birgt erhebliche Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für zukünftige Gewinne. Konsultieren Sie vor Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

Kreislauf der Wheel-Strategie: Cash-Secured Put verkaufen, Aktien per Zuteilung kaufen, Covered Call verkaufen, Aktien werden abgerufen – und wieder von vorn.
Der Kreislauf der Wheel-Strategie: vom Cash-Secured Put über die Zuteilung und den Covered Call bis zum Abruf – und wieder von vorn.

Was ist die Wheel-Strategie?

Die Wheel-Strategie ist keine eigene Optionsart, sondern eine Kombination zweier Strategien in einer festen Abfolge. Als Stillhalter verkaufen Sie zunächst Puts und vereinnahmen dafür eine Premium. Werden Ihnen die Aktien zugeteilt, wechseln Sie nahtlos in die zweite Phase und verkaufen Calls auf genau diese Aktien. So entsteht ein Rad, das sich immer weiterdreht – daher der Name.

Der Reiz liegt darin, dass Sie in jeder Phase Prämien einnehmen: solange Sie noch keine Aktien besitzen über den Cash-Secured Put, und sobald Sie Aktien halten über den Covered Call.

Die vier Phasen des Kreislaufs

Wie die Illustration oben zeigt, durchläuft die Wheel-Strategie vier Phasen:

1. Cash-Secured Put verkaufen

Sie verkaufen eine Put-Option auf eine Aktie, die Sie gerne besitzen würden, und hinterlegen die volle Kaufsumme als Sicherheit. Der gewählte Strike-Preis liegt typischerweise Out-of-the-Money (OTM), also unter dem aktuellen Kurs. Bleibt der Kurs darüber, verfällt der Put wertlos und Sie behalten die Prämie – und können den Schritt wiederholen.

2. Aktien per Zuteilung übernehmen

Fällt der Kurs unter den Strike, kommt es zum Assignment: Sie kaufen die Aktien zum Strike-Preis. Ihr effektiver Einstand liegt um die vereinnahmte Prämie darunter. Mehr zum Ablauf der Zuteilung lesen Sie im Artikel Assignment und Ausübung.

3. Covered Call verkaufen

Auf die nun gehaltenen Aktien verkaufen Sie eine Call-Option mit einem Strike oberhalb Ihres Einstands. Wieder erhalten Sie eine Prämie. Bleibt der Kurs unter dem Strike, behalten Sie Aktien und Prämie und schreiben den nächsten Call.

4. Aktien werden abgerufen

Steigt der Kurs über den Call-Strike, werden Ihre Aktien abgerufen (verkauft). Sie realisieren den Kursgewinn bis zum Strike plus alle vereinnahmten Prämien – und stehen wieder am Anfang, bereit für den nächsten Cash-Secured Put.

Ein Rechenbeispiel

Die folgenden Zahlen sind rein illustrativ und dienen ausschließlich dem Lernzweck.

SchrittAktionPrämie / Effekt
Put verkaufenAktie bei 50 €; Verkauf Put mit Strike 48 €+1,20 € je Aktie Prämie
ZuteilungKurs fällt unter 48 € → Kauf zu 48 €Effektiver Einstand 46,80 € (48 − 1,20)
Call verkaufenVerkauf Call mit Strike 52 €+1,10 € je Aktie Prämie
AbrufKurs steigt über 52 € → Verkauf zu 52 €Kursgewinn 52 − 46,80 = 5,20 € + Prämien

In diesem fiktiven Durchlauf summieren sich zwei Prämien und ein Kursgewinn. Entscheidend ist: Der Gewinn bleibt nach oben begrenzt (der Call deckelt ihn beim Strike), während das Abwärtsrisiko der gehaltenen Aktie bestehen bleibt.

Chancen und Risiken

Chancen

Die Wheel-Strategie erzeugt in ruhigen und leicht steigenden Märkten regelmäßige Prämieneinnahmen. Sie kaufen Aktien tendenziell günstiger ein (zum Strike abzüglich Prämie) und verkaufen sie mit Aufschlag wieder. Ein Teil der Erträge stammt aus dem Zeitwertverfall der verkauften Optionen, der dem Stillhalter zugutekommt.

Risiken

Das größte Risiko ist ein deutlicher, anhaltender Kursrückgang, während Sie nach einer Zuteilung Aktien halten: Dann sitzen Sie auf Buchverlusten, die die Prämien nicht ausgleichen. Zudem ist der Gewinn nach oben gedeckelt – verpassen Sie eine starke Aufwärtsbewegung, kann eine einfache Aktienposition mehr eingebracht haben. Ein durchdachtes Risikomanagement ist daher unverzichtbar.

Für wen sich die Strategie eignet

Die Wheel-Strategie passt zu Anlegern, die

  • Aktien handeln möchten, die sie ohnehin längerfristig halten würden,
  • das nötige Kapital für eine mögliche Zuteilung dauerhaft bereithalten,
  • eine neutrale bis leicht bullische Erwartung haben und
  • regelmäßige Prämieneinnahmen einem unbegrenzten Aufwärtspotenzial vorziehen.

Weniger geeignet ist sie für hochspekulative Werte, die Sie nicht ins Depot übernehmen möchten, oder wenn Sie auf eine große Kursbewegung setzen.

Fazit

Die Wheel-Strategie ist ein eleganter Weg, zwei Einsteigerstrategien zu einem fortlaufenden Einkommens-Kreislauf zu verbinden. Sie belohnt Geduld und die Bereitschaft, Aktien tatsächlich zu übernehmen – verlangt aber sorgfältige Auswahl der Basiswerte und konsequentes Risikomanagement. Wer den Cash-Secured Put und den Covered Call einzeln verstanden hat, hält mit der Wheel-Strategie beides in einer runden Gesamtmechanik in der Hand. Alle Fachbegriffe finden Sie im Optionen-Glossar.

Quellen & weiterführende Literatur

Häufige Fragen

Was ist die Wheel-Strategie?
Die Wheel-Strategie ist ein wiederkehrender Ablauf aus zwei Bausteinen: Zuerst verkaufen Sie Cash-Secured Puts, bis Ihnen Aktien zugeteilt werden. Auf diese Aktien schreiben Sie anschließend Covered Calls, bis sie wieder abgerufen werden. Danach beginnt der Kreislauf von vorn.
Welches Risiko hat die Wheel-Strategie?
Das Hauptrisiko ist ein deutlicher Kursrückgang der Aktie, während Sie sie nach einer Zuteilung halten. Die vereinnahmten Prämien senken den Einstand und mildern Verluste, bieten aber keinen echten Schutz vor größeren Kursverlusten.
Für welche Aktien eignet sich die Wheel-Strategie?
Sinnvoll ist die Strategie vor allem bei stabilen, liquiden Aktien, die Sie ohnehin längerfristig im Depot halten würden. Für hochspekulative oder sehr schwankungsanfällige Werte, die Sie nicht übernehmen möchten, ist sie weniger geeignet.

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