Kurz & knapp
Bei einem Covered Call verkaufen Sie einen Call auf eine bereits im Depot gehaltene Aktie und erhalten dafür eine Prämie. Die Strategie erzeugt Zusatzerträge, begrenzt im Gegenzug aber das Gewinnpotenzial nach oben.
Der Covered Call gehört zu den bekanntesten Einkommensstrategien im Optionshandel – und zu den wenigen, die sich auch für Einsteiger eignen. Die Grundidee: Sie verkaufen eine Kaufoption auf Aktien, die Sie ohnehin im Depot halten, und kassieren dafür eine Prämie. In diesem Artikel erfahren Sie, wie ein Covered Call funktioniert, wo seine Chancen und Grenzen liegen und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Risikohinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Optionen birgt erhebliche Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für zukünftige Gewinne. Konsultieren Sie vor Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.
Inhaltsverzeichnis:
Was ist ein Covered Call?
Bei einem Covered Call verkaufen Sie eine Call-Option auf eine Aktie, die sich bereits in Ihrem Depot befindet. „Covered" (gedeckt) bedeutet genau das: Im Gegensatz zum Verkauf eines ungedeckten Calls liegt der Basiswert tatsächlich bei Ihnen – Sie könnten also jederzeit liefern. Als Verkäufer der Option nehmen Sie die Rolle des Stillhalters ein und erhalten dafür sofort eine Premium (Optionsprämie) gutgeschrieben.
Im Gegenzug gehen Sie eine Verpflichtung ein: Steigt der Aktienkurs über den vereinbarten Strike-Preis, kann der Käufer der Option sein Recht ausüben. In diesem Fall müssen Sie Ihre Aktien zum Strike verkaufen – man spricht von Assignment (Zuteilung). Üblicherweise bezieht sich ein Optionskontrakt auf 100 Aktien.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, Sie besitzen 100 Aktien eines Unternehmens, die aktuell bei 50 € notieren. Sie verkaufen einen Call mit einem Strike von 55 € und einer Laufzeit von einem Monat und erhalten dafür eine Prämie von 1,50 € je Aktie, also 150 € pro Kontrakt. Der gewählte Strike liegt Out-of-the-Money (OTM), also über dem aktuellen Kurs.
| Szenario bei Verfall | Was passiert | Ergebnis |
|---|---|---|
| Kurs unter 55 € | Option verfällt wertlos, Sie behalten die Aktien | Prämie 150 € bleibt als Ertrag |
| Kurs genau 55 € | Option am Geld, Zuteilung möglich | Prämie plus Kursgewinn bis 55 € |
| Kurs über 55 € | Aktien werden zu 55 € abgerufen | Gewinn auf 55 € + Prämie begrenzt |
Bleibt der Kurs unter dem Strike, verfällt die Option wertlos und die Prämie ist Ihr Gewinn – Sie können den Vorgang im nächsten Monat wiederholen. Steigt der Kurs dagegen kräftig, verkaufen Sie Ihre Aktien zu 55 €, auch wenn sie inzwischen mehr wert wären. Ihr maximaler Gewinn ergibt sich in diesem Fall aus dem Kursanstieg bis zum Strike (5 €) plus der Prämie (1,50 €).
Chancen und Risiken
Chancen
Der Covered Call erzeugt laufende Einnahmen aus einem bestehenden Aktienbestand. Die vereinnahmte Prämie verbessert die Rendite in Seitwärts- und leicht steigenden Märkten und mindert den Einstandspreis Ihrer Position. Ein Teil der Erträge stammt dabei aus dem Zeitwert der Option, der bis zum Verfall kontinuierlich abnimmt – zugunsten des Stillhalters.
Risiken
Das Aufwärtspotenzial ist gedeckelt: Steigt die Aktie stark, entgeht Ihnen der Gewinn oberhalb des Strikes. Das Abwärtsrisiko der Aktie bleibt dagegen bestehen und wird lediglich um die Prämie reduziert. Der Covered Call ist also kein Absicherungsinstrument – fällt der Kurs deutlich, bietet die Prämie nur einen kleinen Puffer.
Gut zu wissen
Eine hohe Implizite Volatilität lässt Optionsprämien steigen. Phasen erhöhter Unsicherheit können daher attraktivere Prämien bieten – allerdings spiegeln sie auch ein größeres erwartetes Schwankungsrisiko der Aktie wider.
Den richtigen Strike wählen
Die Wahl des Strikes bestimmt das Verhältnis von Prämie und Wahrscheinlichkeit einer Zuteilung:
- Weiter Out-of-the-Money (OTM): geringere Prämie, dafür mehr Spielraum für Kursgewinne und eine niedrigere Wahrscheinlichkeit, dass die Aktien abgerufen werden.
- Nahe am Geld (At-the-Money (ATM)): höhere Prämie, aber das Aufwärtspotenzial ist eng begrenzt und die Zuteilungswahrscheinlichkeit steigt.
- In-the-Money (ITM): höchste Prämie und ein gewisser Abwärtspuffer, jedoch sehr wahrscheinliche Zuteilung.
Eine Orientierung bietet das Delta der Option: Es lässt sich näherungsweise als Wahrscheinlichkeit interpretieren, mit der die Option im Geld verfällt. Ein niedrigeres Delta steht somit tendenziell für eine geringere Zuteilungswahrscheinlichkeit. Wie stark Optionspreise auf Schwankungen reagieren, lesen Sie vertiefend im Artikel Volatilität verstehen.
Für wen sich die Strategie eignet
Der Covered Call passt zu Anlegern mit einer neutralen bis leicht bullischen Erwartung für eine Aktie, die sie ohnehin halten möchten. Wer dagegen mit stark steigenden Kursen rechnet, beschneidet sein Gewinnpotenzial unnötig. Und wer einen deutlichen Kursrückgang befürchtet, sollte bedenken, dass der Covered Call keinen echten Schutz bietet.
Eng verwandt ist der Cash-Secured Put, bei dem Sie umgekehrt einen Put verkaufen, um eine Aktie günstiger einzusteigen. Werden beide Bausteine kombiniert und wiederholt, entsteht die Wheel-Strategie. Grundlagen weiterer Einsteigerstrategien finden Sie im Beitrag Optionsstrategien für Einsteiger.
Fazit
Der Covered Call ist eine zugängliche Möglichkeit, aus einem bestehenden Aktienbestand laufende Erträge zu erzielen. Er belohnt Geduld in ruhigen Märkten, deckelt aber den Gewinn bei starken Kursanstiegen und ersetzt kein durchdachtes Risikomanagement. Wie immer im Optionshandel gilt: Verstehen Sie die Verpflichtung, die Sie eingehen, bevor Sie eine Position eröffnen. Eine Übersicht aller hier verwendeten Fachbegriffe finden Sie im Optionen-Glossar.