Kurz & knapp
Sie lernen, Positionen anzupassen. Rollen beseitigt keinen Verlust und geht neue Verpflichtungen ein.
Sie lernen, Positionen anzupassen. Rollen beseitigt keinen Verlust und geht neue Verpflichtungen ein.
Risikohinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Optionen birgt erhebliche Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für zukünftige Gewinne. Konsultieren Sie vor Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.
Inhaltsverzeichnis:
Was bedeutet „Rollen"?
Beim Rollen führen Sie zwei Transaktionen praktisch gleichzeitig aus: Sie kaufen die bestehende Option zurück (schließen sie) und verkaufen – als Stillhalter – eine neue Option auf denselben Basiswert. Die neue Option hat einen späteren Expiration Date und oft einen veränderten Strike-Preis. Viele Broker bieten dafür eine kombinierte „Roll"-Order an, sodass beide Beine in einem Schritt ausgeführt werden.
Die Differenz der beiden Prämien ist entscheidend: Bringt die neue Option mehr Premium ein, als der Rückkauf der alten kostet, rollen Sie „für Credit" (Netto-Guthaben). Andernfalls rollen Sie „für Debit" und zahlen unterm Strich drauf.
Die wichtigsten Roll-Arten
- Rollen in der Zeit (Roll out): gleicher Strike, aber späterer Verfall. Sie verschaffen sich mehr Zeit.
- Rollen nach oben/unten (Roll up / Roll down): gleicher Verfall, aber höherer bzw. niedrigerer Strike.
- Diagonales Rollen (Roll out & up/down): die Kombination – späterer Verfall und neuer Strike. In der Praxis am häufigsten.
Gut zu wissen
Ein Covered Call, dessen Aktie über den Strike gestiegen ist, lässt sich „nach oben und hinten" rollen, um die Aktie zu behalten und gleichzeitig erneut Prämie zu vereinnahmen. Ein Cash-Secured Put lässt sich „nach unten und hinten" rollen, um eine drohende Zuteilung hinauszuzögern.
Wann das Rollen sinnvoll ist
Stillhalter rollen vor allem aus diesen Gründen:
- Mehr Zeit gewinnen: Kurz vor dem Verfall ist vom Zeitwert kaum noch etwas übrig – ein Roll in einen späteren Verfall verkauft erneut Zeitwert.
- Zuteilung vermeiden: Droht beim Short Call oder Short Put ein Assignment, kann ein Roll die Position aus dem Geld zurückverschieben. Hintergründe dazu im Artikel Assignment und Ausübung.
- Zusätzliche Prämie: Ein Roll für Credit erhöht die insgesamt vereinnahmte Prämie.
Warum der Zeitwert zum Verfall hin so stark abnimmt, lesen Sie im Beitrag Theta & Zeitwertverfall.
Ein Rechenbeispiel
Die folgenden Zahlen sind rein illustrativ.
| Schritt | Aktion | Geldfluss |
|---|---|---|
| Alte Option schließen | Short Call (Strike 100, baldiger Verfall) zurückkaufen | −1,80 € je Aktie |
| Neue Option eröffnen | Short Call (Strike 105, späterer Verfall) verkaufen | +2,40 € je Aktie |
| Ergebnis | Roll für Credit | Netto +0,60 € je Aktie |
In diesem Beispiel vereinnahmen Sie zusätzlich 0,60 € je Aktie und heben gleichzeitig den Strike von 100 auf 105 an – Sie geben Ihrer Position also mehr Luft nach oben Out-of-the-Money (OTM) und mehr Zeit.
Chancen, Risiken und ein Warnhinweis
Chancen
Rollen ist ein flexibles Werkzeug des Positionsmanagements: Sie reagieren auf Kursbewegungen, ohne die Grundidee aufzugeben, und können zusätzliche Prämie einnehmen. Gerade bei Strategien wie Covered Call und Cash-Secured Put gehört es zum Standard-Repertoire.
Warnhinweis: kein Allheilmittel
Rollen kann dazu verleiten, einen Verlust immer weiter in die Zukunft zu schieben, statt ihn zu akzeptieren. Wer eine verlierende Position fortlaufend rollt, bindet Kapital und vergrößert mitunter das Gesamtrisiko. Definieren Sie deshalb vorab, wann Sie rollen – und wann Sie eine Position lieber schließen. Mehr dazu im Beitrag Risikomanagement im Optionshandel.
Fazit
Das Rollen ist eine der nützlichsten Routinen für Stillhalter: Es verbindet das Schließen einer bestehenden mit dem Eröffnen einer neuen Option und verschafft so Zeit, Spielraum oder zusätzliche Prämie. Entscheidend ist, bewusst und regelbasiert zu rollen – idealerweise für Credit und nicht bloß, um einen Verlust zu verdrängen. Wer Covered Calls und Cash-Secured Puts einsetzt, sollte das Rollen sicher beherrschen. Alle Fachbegriffe finden Sie im Optionen-Glossar.
Quellen & weiterführende Literatur
- The Options Industry Council (OIC) – Options Education
- Cboe Global Markets – Options Education
- John C. Hull: „Options, Futures, and Other Derivatives", Pearson.